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Vielseitig, polarisierend, nachhaltig: Die Sülze.

Ein Klassiker mit einer bewegten Geschichte, der gerade ein Comeback erlebt.

Sülzen waren früher eine beliebte und gängige Konservierungsform für Fleischreste. In den 50er und 60er Jahren galt es als typisches Armeleuteessen, in den darauffolgenden Jahren verschwand es jedoch immer mehr von den Tellern der Menschen. Doch nun erlebt Sülze ein kleines Comeback. Die glibberige Konsistenz ist zwar nicht jedermanns Sache, doch Sülze punktet durch vielseitige Möglichkeiten: Von Geflügel über Rind, Schwein und Fisch bis hin zu Gemüse, Eiern und Kräutern sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Zudem kann in Sülze fast alles vom Tier verarbeitet werden, was dem Nachhaltigkeitstrend gerecht wird. Haut und Knochen werden mitgekocht, dabei löst sich das Kollagen, das beim Erkalten dafür sorgt, dass die Sülze geliert.

Hausmacher Sülze

Sülze sorgte vor 100 Jahren für reichlich Tumult: Im Jahr 1919 gab es die „Hamburger Sülzeunruhen“, die dadurch ausgelöst wurden, dass mitten auf der Straße ein Fass von einer Kutsche fiel und auskippte. Darin befand sich übel riechendes, verdorbenes Fleisch, das für die Fleischfabrik Heibestimmt war. Eine aufgebrachte Menschenmenge stürmte das Fabrikgelände und fand dort unter anderem Kadaver von Ratten und Katzen. Dem Fabrikbesitzer Heil wurde vorgeworfen, dass er Gammelfleisch und Tierkadaver in seiner „Delikatess-Sülze“ verarbeitete. Das wütende Volk warf Heil in die Alster, wo er nur knapp dem Tode entkam. In den darauffolgenden Tagen wurden in weiteren Fleischfabriken in und um Hamburg Anzeichen für Fleischpanschereien gefunden, die Unruhen breiteten sich in der ganzen Stadt aus. Dieser Skandal hatte ein neues Lebensmittelgesetz und strengere Hygienevorschriften zur Folge.