Zu Gast … in Ostfriesland

Wattenmeer, Schafe auf dem Deich und der Komiker Otto – so kennen und lieben wir Ostfriesland. Aber die brettflache Region an der Nordseeküste hat noch so viel mehr zu bieten. Auch kulinarisch …

Schon beim ersten Blick auf den Atlas fällt auf, in der nordwestlichen Ecke Deutschlands liebt man es beschaulich. Große Städte sucht man hier vergeblich. In Ostfriesland ist alles etwas kleiner – auch die Städte wie Aurich, Emden oder Leer. Besonders in ihrer Architektur erkennt man die Nähe zum niederländischen Nachbarn.
Kaum eine Region bietet so viel unberührte Natur wie Ostfriesland. Das liegt an den weiten, kilometerlangen Stränden, aber auch an den weiten Moorlandschaften, grünen Feldern und kleinen Wäldern. Es gibt eine Vielzahl kleiner natürlicher Wasserläufe, die mit künstlichen Kanälen verbunden sind. Diese dienten früher einerseits als Entwässerungskanäle, aber auch als Transportweg. Doch Ostfriesland hat noch mehr! Wie die vielzähligen Inseln, die aufgereiht wie auf einer Perlenschnur vor der Region in der Nordsee liegen. Die Bekanntesten
davon sind Borkum, Norderney oder Langeoog. Auf ihnen ist das Leben – außer im Sommer – wohltuend entschleunigend und ruhig. Hier macht man sich keinen Stress. Warum auch, wenn der ganze Rhythmus von Ebbe und Flut geprägt wird?

Schon vor über 7500 Jahren lebten Menschen im Gebiet zwischen der Nordsee , Ems und Jadebusen, wie bedeutende Funde gezeigt haben. Und auch heute noch kommt man hier gut miteinander zurecht und lebt fest verwurzelt in den alten Traditionen. Dazu gehören neben der plattdeutschen Sprache und dem Humor auch die Tasse Ostfriesentee am Nachmittag, in die auf jeden Fall ein Schuss Sahne und ein Stück Kluntjes (Kandis) gehören. Mit dem Löffel wird übrigens nicht umgerührt. Mit ihm wird nur signalisiert, dass man genug Tee hatte, indem er in die Tasse gelegt wird. Weniger als drei Tassen zu trinken gilt als unhöflich. Angeblich trinken Ostfriesen rund 300 Liter Tee pro Kopf im Jahr, mehr als alle anderen Deutschen. Zu Neujahr gibt es dazu Rullekes, die leckeren ostfriesischen Waffelhörnchen.

Geprägt wurde die Region durch Fischfang und Landwirtschaft. Das spiegelt sich auch in den Gerichten wieder, die hier auf den Tisch kommen. Der Ostfriese liebt dicke Eintöpfe und Gerichte wie Updrögt Bohnen – Getrocknete Bohnen mit Speck. Im Winter darf auf keinen Fall Grünkohl mit Pinkel, der bekannten, geräucherten Grützwurst, fehlen. Wer es mag, isst auch noch Kassler und durchwachsenen Speck dazu. Zu jeder anderen Jahreszeit liebt man zu festlichen Anlässen einen deftigen Snirtjebraten, einen Schweinebraten mit Rotkohl, Kartoffeln und Gewürzgurken.

Doch auch Matjes lieben die Ostfriesen sehr, am liebsten zum Labskaus, einem Kartoffelgericht mit Rindfleisch und Roter Bete, oder auf den Fischbrötchen, die es in jedem Hafen gibt. Genau wie die Krabben, die am liebsten auf Schwarzbrot gegessen werden. Kein Wunder, stammt der Fisch doch frisch aus der Nordsee. Dazu trinkt man dann einen strammen Korn oder den würzigen Kräuterschnaps namens Kruiden, der in Leer hergestellt wird. Na, dann mal guten Appetit oder Smakelk Eten!

SnirtjebratenAuch bekannt als Snirtjesbraa. Die alte ostfriesische Spezialität war früher, wenn auf den Höfen Schweine geschlachtet wurden, das "Schlachttag-Essen".